CILO KYANO HC1 im Alltagstest
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CILO KYANO HC1 im Alltagstest

PA
| | 12 Min. Lesezeit

 

Shimano, Di2, Free Shift – und warum ich meine Vorurteile ziemlich schnell einpacken musste

Ich sag’s direkt:
Als ich das CILO KYANO HC1 das erste Mal vor mir hatte, war ich neugierig. Aber ich war jetzt nicht komplett neutral. Gerade beim Thema Motor und Schaltung hatte ich schon so ein paar Gedanken im Kopf.

Shimano?
Di2?
Free Shift?
Automatisches Schalten?

Klingt erstmal spannend. Aber gleichzeitig auch ein bisschen nach:
„Braucht man das wirklich – oder ist das wieder so ein Feature, das im Prospekt geil klingt und draußen dann eher nervt?“

Und beim Motor war ich sogar noch skeptischer.

Da war direkt dieses typische Datenblatt-Denken im Kopf:
„Alter Motor, nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, weniger Akku als vorher … na super.“

Das war erstmal kein „Boah geil, her damit“, sondern eher so ein kleiner Abturn. Vor allem, wenn man viel Bosch gefahren ist und den Gen4 kennt. Dann vergleicht man automatisch. Drehmoment, Akku, Reichweite, Unterstützung, Fahrgefühl – das läuft im Kopf direkt mit.

Und dann sitzt du auf dem Bike, fährst los und merkst relativ schnell:

Okay. Vielleicht war ich da etwas voreilig.


Das KYANO HC1 wirkt nicht wie ein braves Sonntagsrad

Das CILO KYANO HC1 steht schon ziemlich selbstbewusst da. Nicht wie ein Bike, das einfach nur nett aussehen will. Eher wie eins, das dir direkt sagt:

„Radweg kann ich. Aber eigentlich will ich in den Wald.“

Moderner Rahmen, sportliche Geometrie, ordentlich Federweg und insgesamt ein ziemlich sattes Auftreten. Das ist kein ultranervöses Leichtgewicht-Spielzeug, sondern ein E-MTB mit Reserven.

Und genau das mag ich.

Ich brauche kein Bike, das nur im Showroom gut aussieht. Ich brauche eins, das im Alltag funktioniert. Bei Community-Ausfahrten, auf Waldwegen, bei Treffen, beim kurzen Abstecher über Schotter, beim Trail, beim Anhalten, Quatschen und Weiterfahren.

Ein Bike muss für mich nicht nur technisch Sinn ergeben. Es muss auch diesen kleinen Impuls auslösen:

„Komm, den Waldweg nehmen wir noch mit.“

Beim KYANO HC1 kam dieser Impuls ziemlich schnell.


Der Shimano-Motor: Erst Abturn, dann alter Schwede

Kommen wir direkt zu dem Punkt, der mich am meisten überrascht hat: der Shimano-Motor.

Ich war am Anfang wirklich nicht komplett gehypt. In meinem Kopf war Shimano erstmal so abgespeichert:

„Solide, ja. Aber vielleicht nicht mehr ganz vorne.“

Dazu dieses Gefühl: weniger Akku als vorher, Motor nicht mehr der neueste Hype, Bosch Gen4 im Hinterkopf. Und schon bist du mental in diesem Vergleichsmodus.

Aber draußen auf dem Bike war von dieser Skepsis ziemlich schnell nicht mehr viel übrig.

Der Shimano hat mich ehrlich gesagt kalt erwischt.

Ich dachte vorher eher:
„Ja, wird schon passen.“

Aber alter Schwede – das Ding schiebt.

Nicht zaghaft. Nicht brav. Nicht so ein höfliches:
„Ich unterstütze dich mal ein bisschen, wenn du möchtest.“

Sondern eher:
„Halt dich fest, wir machen das jetzt.“

Gerade beim Antritt und an steileren Passagen fühlt sich der Motor richtig direkt an. Da kommt Druck. Und zwar so, dass ich mehr als einmal auf dem Bike saß und dachte:

„Okay Shimano, was geht denn mit dir?“

Gefühlt steckt er den Bosch Gen4 in manchen Situationen ziemlich locker in die Tasche. Nicht auf dem Papier. Nicht im Labor. Nicht in irgendeiner Tabelle. Sondern ganz stumpf nach Popometer.

Und am Ende zählt für mich genau das.

Klar kann man sich stundenlang über Akkukapazität, Motorgenerationen, Newtonmeter und Datenblätter unterhalten. Machen wir alle gerne. Aber draußen zählt halt etwas anderes:

Wie fühlt sich das Bike an?
Wie kommt der Motor aus dem Keller?
Wie direkt reagiert er?
Wie souverän zieht er dich den Anstieg hoch?
Und ganz wichtig: Macht das Ding Spaß?

Beim KYANO HC1 war meine Antwort ziemlich schnell:

Ja. Macht es. Mehr als erwartet.


Di2 und Free Shift: Am Anfang komisch, dann ziemlich clever

Neben dem Motor ist die Schaltung natürlich eines der spannendsten Themen am CILO KYANO HC1.

Shimano Di2 mit Free Shift und automatischer Schaltlogik klingt erstmal nach Zukunft. Oder nach Spielerei. Kommt drauf an, wie skeptisch man gerade aufgestanden ist.

Ich war irgendwo dazwischen.

Elektronische Schaltung an sich finde ich nicht schlimm. Di2 schaltet sauber, direkt und präzise. Kein labberiger Schaltzug, kein ewiges Nachstellen, kein „irgendwie fühlt sich das heute komisch an“. Du drückst, der Gang ist drin. Fertig.

Aber Free Shift und automatisches Schalten sind nochmal eine andere Nummer.

Da macht das Bike plötzlich Dinge, ohne dass du bewusst den Schalthebel gedrückt hast. Und ja: Das fühlt sich am Anfang erstmal ungewohnt an.

Nicht schlecht.
Aber ungewohnt.

Ich habe mich bei den ersten Fahrten mehrfach dabei erwischt, wie ich innerlich mit dem Bike diskutiert habe:

„Warum schaltest du jetzt?“
„Okay, war eigentlich richtig.“
„Den Gang hätte ich auch genommen.“
„Frech. Aber gut.“

Und genau so war es.

Am Anfang beobachtest du das System kritisch. Du wartest fast darauf, dass es Mist baut. Dass es in einer blöden Situation schaltet. Dass du sagen kannst:

„Siehste. Wusste ich doch.“

Aber dann passiert etwas anderes.

Du merkst, dass das System in vielen Situationen ziemlich genau das macht, was du selbst auch gemacht hättest. Nur früher. Und ohne, dass du aktiv darüber nachdenken musst.


Free Shift ist für mich der eigentliche Aha-Moment

Automatisches Schalten ist cool. Keine Frage. Aber Free Shift ist für mich eigentlich das spannendere Ding.

Warum?

Weil es genau in diesen kleinen Momenten hilft, die jeder E-MTB-Fahrer kennt.

Du rollst irgendwo runter.
Du bremst vor einer Kurve.
Du bist mit Linie, Untergrund, Blickführung und Balance beschäftigt.
Direkt danach kommt ein kleiner Gegenanstieg.
Du trittst rein.

Und dann merkst du normalerweise:

„Mist. Falscher Gang.“

Zu schwer. Zu träge. Unrund. Kurz genervt.

Mit Free Shift passiert das deutlich seltener. Das System kann den Gang beim Rollen vorbereiten, auch wenn du gerade nicht trittst. Du kommst also aus der Rollphase, setzt wieder an und bist viel öfter direkt in einem passenden Gang.

Das klingt erstmal unspektakulär. Aber genau solche Kleinigkeiten machen im Alltag richtig viel aus.

Free Shift ist kein Feature, das laut schreit:
„Guck mal, ich bin Hightech!“

Es arbeitet eher im Hintergrund. Still, unauffällig, aber praktisch.

So ein bisschen wie jemand, der heimlich schon mal dein Werkzeug sortiert hat, bevor du überhaupt gemerkt hast, dass du es brauchst.


Auf dem Trail: Nicht bevormundend, eher unterstützend

Im Gelände war ich besonders gespannt, ob mich die Automatik nervt. Denn gerade auf dem Trail will ich nicht das Gefühl haben, dass mir das Bike ständig reinquatscht.

Und ja, man muss sich daran gewöhnen.

Wenn du sehr aktiv fährst und jeden Gang bewusst selbst setzen willst, fühlt sich das am Anfang komisch an. Manchmal wirkt es fast so, als hätte das Bike eine eigene Meinung.

Aber das Gute ist: Du kannst jederzeit manuell eingreifen.

Und genau so würde ich das System auch einordnen:

Nicht als Ersatz für den Fahrer. Sondern als Unterstützung.

Es nimmt dir nicht das Fahren ab.
Es macht dich nicht automatisch besser.
Aber es nimmt dir kleine Stressmomente raus.

Gerade auf wechselnden Strecken, bei kurzen Anstiegen nach Abfahrten, engen Kehren, Stop-and-Go oder wenn man schlicht vergessen hat, rechtzeitig runterzuschalten, ist das angenehm.

Und mal ehrlich:
Wir tun alle gerne so, als würden wir immer perfekt schalten.

Tun wir aber nicht.

Jeder ist schon mal in einem komplett dummen Gang wieder angetreten und dachte sich:

„Ja super. Richtig professionell.“

Free Shift bügelt genau solche Momente ein Stück weit aus.


Im Alltag merkt man den Vorteil fast noch mehr

Was mich tatsächlich am meisten überrascht hat: Der größte Vorteil zeigt sich nicht unbedingt in der extremsten Fahrsituation.

Sondern im ganz normalen Alltag.

Also genau da, wo viele von uns wirklich unterwegs sind:

Straße.
Radweg.
Feldweg.
Wald.
Schotter.
Trail.
Kurz anhalten.
Wieder losfahren.
Bergauf.
Rollen lassen.
Anfahren.
Abbiegen.
Quatschen.
Weiterfahren.

Genau in diesem Mix fühlt sich das KYANO HC1 ziemlich rund an. Der Shimano-Motor liefert ordentlich Druck, die Di2 schaltet sauber und Free Shift sorgt dafür, dass du seltener in diesen „falscher Gang, falscher Moment“-Situationen landest.

Und gerade in Kombination mit dem kräftigen Motor macht das Sinn.

Wenn ein E-MTB ordentlich anschiebt, willst du nicht ständig gegen einen unpassenden Gang arbeiten. Motor und Schaltung wirken hier überraschend gut aufeinander abgestimmt.

Dadurch fährt sich das Bike entspannter, als ich erwartet hätte.

Nicht langweilig entspannt.
Eher souverän.

So nach dem Motto:

„Mach du mal dein Ding, ich halte dir den Rücken frei.“


Was mir am KYANO HC1 besonders gefällt

Das Bike fühlt sich für mich nicht wie ein reines Datenblatt-Projekt an.

Es ist nicht einfach nur:
großer Rahmen, Motor dran, elektronische Schaltung rein, fertig.

Das Gesamtpaket wirkt stimmig.

Der Rahmen macht optisch was her. Das Bike steht satt da. Es vermittelt Vertrauen. Man sitzt drauf und hat relativ schnell das Gefühl, dass man nicht erst zehn Fahrten braucht, bis man sich wohlfühlt.

Besonders mag ich, dass das KYANO HC1 diesen Spagat schafft:

Es kann Alltag.
Es kann Tour.
Es kann Wald.
Es kann Trail.

Und es sieht dabei nicht aus, als hätte man es versehentlich aus der falschen Kategorie gezogen.

Für mich ist das wichtig. Ich fahre kein Bike nur auf einer genormten Testrunde, um danach drei Absätze über Lenkwinkel zu schreiben. Ich nutze so ein Ding im echten Leben. Bei Community-Sachen, bei Treffen, bei Ausfahrten, für Content, für spontane Runden.

Da muss ein Bike nicht nur funktionieren.
Es muss auch Bock machen.

Ich muss Lust haben, es aus der Garage zu holen.

Beim KYANO HC1 war dieser Punkt ziemlich schnell erreicht.


Was mich beschäftigt hat

Natürlich war nicht alles direkt Liebe auf den ersten Blick.

Die Shimano-Automatik braucht Eingewöhnung. Wer aus Prinzip alles selbst kontrollieren will, wird am Anfang vielleicht erstmal die Augenbraue hochziehen.

Kann ich verstehen.

Man muss dem System ein bisschen Zeit geben. Nicht blind vertrauen, aber auch nicht nach zehn Minuten sagen:
„Brauch ich nicht.“

Was mich aber wirklich genervt hat, ist die Shimano-Software.

Und da bin ich ehrlich:
Die ist absoluter Käse.

Man kommt zwar tief ins System rein und kann einiges einstellen, aber der Weg dahin fühlt sich unnötig fummelig an. Nicht besonders intuitiv, teilweise langsam und optisch auch nicht gerade ein Highlight. Es wirkt ein bisschen so, als hätte die Technik im Bike einen großen Schritt nach vorne gemacht, während die App irgendwo noch im Technikraum sitzt und überlegt, ob sie heute Lust hat.

Gerade wenn man sieht, was andere Hersteller inzwischen bei Bedienung, Übersicht und Nutzerführung machen, merkt man schon:
Da ist die Konkurrenz deutlich weiter.

Das ist schade, weil die Hardware richtig viel kann. Motor, Di2 und Free Shift funktionieren auf dem Bike überraschend gut. Aber die Software fühlt sich nicht nach demselben Level an. Da fehlt mir dieses moderne, einfache, klare Nutzererlebnis.

Oder anders gesagt:
Das Bike fährt modern.
Die App fühlt sich nicht immer so an.

Auch der erste Eindruck vom Motor war bei mir, wie gesagt, nicht sofort positiv. Auf dem Papier hatte ich diese „Hm, wirklich?“-Reaktion. Weniger Akku als vorher, kein komplett neuer Hype-Motor, Bosch Gen4 als Vergleich im Kopf.

Das hat mich erstmal nicht komplett abgeholt.

Aber genau deshalb war die Überraschung danach umso größer.

Denn draußen war der Motor für mich alles andere als altbacken. Er war direkt, kraftvoll und lebendig. Und das ist mir am Ende wichtiger als ein reiner Zahlenvergleich.

Was man trotzdem sagen muss: Wer nur auf maximale Akkugröße schaut, wird wahrscheinlich diskutieren wollen.

Verständlich. Reichweite ist bei E-Bikes immer ein Thema.

Aber Reichweite ist eben nicht nur Akku. Sie hängt auch von Fahrer, Gelände, Unterstützungsstufe, Reifen, Temperatur, Fahrweise und Gewicht ab.

Deshalb würde ich nicht einfach sagen:

„Mehr Akku gleich besseres Bike.“

So einfach ist es nicht.


Für wen macht das Sinn?

Für mich ist das KYANO HC1 mit Di2 und Free Shift besonders spannend für Fahrer, die nicht nur eine Sache machen.

Nicht nur Bikepark.
Nicht nur Pendeln.
Nicht nur Sonntagsrunde.
Nicht nur Schotterweg.

Sondern für Leute, die genau dieses typische E-MTB-Mischleben fahren:

Mal Straße.
Mal Wald.
Mal Tour.
Mal Trail.
Mal Community-Ausfahrt.
Mal einfach raus und gucken, wo man landet.

Gerade für solche Fahrer macht die Kombination aus kräftigem Shimano-Motor, Di2 und Free Shift richtig Sinn. Weil das Bike in vielen Situationen einfach flüssiger wirkt.

Du denkst weniger über den Gang nach.
Du verschaltest dich seltener in blöden Momenten.
Du kommst entspannter aus Rollphasen wieder in den Tritt.
Und du kannst trotzdem jederzeit selbst eingreifen.

Das ist für mich der Punkt:

Die Technik nimmt dir nicht den Spaß weg. Sie räumt nur ein bisschen Chaos aus dem Weg.


Mein Fazit

Das CILO KYANO HC1 hat mich mehr überrascht, als ich erwartet hätte.

Am Anfang war da Skepsis. Besonders beim Shimano-Motor.

Ich dachte wirklich erstmal:

„Alter Motor, nicht mehr auf der Höhe der Zeit, weniger Akku als vorher … na ja.“

Nach den ersten Fahrten musste ich diesen Gedanken aber ziemlich schnell einpacken.

Der Shimano schiebt richtig satt. Er fühlt sich direkt an, kraftvoll und lebendiger, als ich erwartet hatte. Gefühlt steckt er den Bosch Gen4 in manchen Situationen locker in die Tasche – zumindest nach meinem Popometer und in meinem Alltagstest.

Dazu kommt die Di2 mit Free Shift. Die habe ich anfangs eher kritisch beäugt, aber im Alltag ergibt sie richtig Sinn. Nicht als Spielerei, sondern als echte Unterstützung. Besonders dann, wenn du rollst, bremst, wieder antrittst und plötzlich merkst:

Der Gang passt einfach.

Das KYANO HC1 ist für mich kein Bike, das man nur über Zahlen verstehen kann. Man muss es fahren. Erst dann merkt man, dass da mehr drinsteckt, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt.

Es ist kraftvoll, souverän, modern und irgendwie entspannter, als so ein Bike eigentlich wirken müsste.

Nicht perfekt steril.
Nicht nur Datenblatt.
Nicht einfach nur „noch ein E-MTB“.

Sondern ein Bike, bei dem ich nach ein paar Fahrten dachte:

„Okay. Damit kann man arbeiten. Und zwar richtig gut.“

Und am Ende ist das vielleicht das größte Kompliment, das ich einem Testbike machen kann:

Ich wollte es eigentlich kritisch sehen.
Dann bin ich gefahren.
Und plötzlich hatte ich Spaß.

Wenn Shimano jetzt noch die Software auf das Niveau der Hardware bringt, wäre das Ganze nochmal deutlich runder. Denn was Motor, Di2 und Free Shift auf dem Bike abliefern, ist stark — die App dagegen fühlt sich leider noch nicht so an.

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Patrik Schneider — Sons of Battery®
Leidenschaftlicher E-MTB-Fahrer und Teil der Sons of Battery® Community.
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